Gesundes Essverhalten schon im Säuglingsalter lernen

12.10.2016

Muttermilch, Brei, Familienessen – was ein Säugling im ersten Lebensjahr trinkt und isst, beeinflusst seine Entwicklung. Auch wie Eltern auf Hunger- und Sättigungssignale ihres Kindes reagieren und wie sie die Mahlzeiten gestalten, ist bedeutsam. Damit können sie ein gesundes Essverhalten fördern, was wiederum Übergewicht vorbeugen kann. Die gerade aktualisierten bundesweit einheitlichen „Handlungsempfehlungen zur Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen“ des Netzwerks Gesund ins Leben zeigen Fachkräften in der Elternberatung, wie das Essenlernen auf vielfältige Weise unterstützt werden kann.

Foto: © detailblick-foto / Fotolia.com

Essenlernen heißt für Säuglinge vor allem einen Hunger- und Sättigungsrhythmus zu entwickeln. Über verschiedene Signale (z.B. durch Blickverhalten, Gesichtsausdruck, Körperhaltung, mit Worten oder Lauten) teilt das Baby mit, ob es Hunger hat, essen will oder satt ist. Eltern sollten die Signale ihres Kindes wahrnehmen, richtig interpretieren und entsprechend reagieren. Dieser wechselseitige Prozess zwischen Eltern und Kind wird als Responsive Feeding bezeichnet. Das bedeutet: Eltern sorgen für ein angemessenes Nahrungsangebot – jedoch entscheidet das Kind selbst, was und wie viel es trinkt und isst. Ablenkungen während des Essens sollten vermieden werden und der Säugling nicht zum Essen gedrängt oder damit beruhigt werden. Wenn das Kind die Mahlzeit ablehnt oder sie früher abbricht, genügen 1–2 Versuche, das Kind zum Essen zu ermutigen. Extraspeisen als Ersatz sollten nicht angeboten werden.

Hunger und Sättigung: Teamarbeit ist gefragt!

Die Wahrnehmung von Hunger- und Sättigungssignalen hilft einer Überfütterung und potentiell übermäßiger Gewichtszunahme vorzubeugen. „Auch für eine gesunde seelische Entwicklung ist es von Bedeutung, die Signale des Kindes zu verstehen und sie richtig zu beantworten. Es stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind“, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben.

So kommen Babys auf den Geschmack

Neben der Förderung der kindlichen Selbstregulation steigert eine frühe Geschmacksvielfalt die Akzeptanz von gesunden Lebensmitteln und unterstützt langfristig die Ausbildung eines gesunden Essverhaltens. Säuglingen sollte die Möglichkeit gegeben werden, neue Lebensmittel zu entdecken und mit allen Sinnen zu erfahren. Geschmacksvorlieben bilden sich durch wiederholtes Probieren. Führen Eltern neue Lebensmittel oder Speisen ein, sollten sie dem Säugling mehrmals ohne Zwang und mit Geduld angeboten werden. Lehnt das Kind sie ab, sollten sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder angeboten werden. Entscheidend ist es, schrittweise eine abwechslungsreiche Ernährung aufzubauen, denn Geschmackserfahrungen der frühen Kindheit können sich auf spätere Geschmacks- und Lebensmittelvorlieben auswirken.

Eine entspannte und angenehme Atmosphäre beim Essen kann die Entwicklung des Ernährungsverhaltens positiv beeinflussen. Gemeinsame Mahlzeiten machen nicht nur satt, sondern erfüllen auch das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit und Zuwendung. Regelmäßige Mahlzeiten sind Rituale, die das kindliche Sicherheitsbedürfnis stillen, indem sie Strukturen und Verlässlichkeit schaffen. Das Kind lernt, dass es Zeiten zum Essen und Trinken und Zeiten für andere Aktivitäten wie Spielen, Krabbeln, Kuscheln, Nach-draußen-Gehen gibt.

Für die Elternberatung: Empfehlungen zum Essenlernen

Das Thema „Essenlernen im Säuglingsalter“ ist Bestandteil der aktualisierten Handlungsempfehlungen zur Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen des Netzwerks Gesund ins Leben. Der Beratungsstandard wird von allen relevanten Berufsverbänden und Fachgesellschaften unterstützt. Er ist online auf www.gesund-ins-leben.de verfügbar und kann als Sonderdruck gegen eine Versandkostenpauschale von 3 Euro bestellt werden.

Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen

Handlungsempfehlungen herunterladen (PDF)

Sonderdruck bestellen

Über Gesund ins Leben:

Gesund ins Leben ist ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden, die sich mit jungen Familien befassen. Das Ziel ist, Eltern einheitliche Botschaften zur Ernährung und Bewegung zu vermitteln, damit sie und ihre Kinder gesund leben und aufwachsen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert Gesund ins Leben als Teil des Nationalen Aktionsplans IN FORM. www.gesund-ins-leben.de 

Über IN FORM:

IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. www.in-form.de 

Abdruck honorarfrei. Belegexemplar erbeten. _________________________________________________________________________

Kontakt:

Dr. Katharina Reiss
Geschäftsstelle: Netzwerk Gesund ins Leben
aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz e.V.
Heilsbachstraße 16, 53123 Bonn
Tel.: 0228 8499-169; Fax: -177;
E-Mail: k.reiss@aid-mail.de 
www.gesund-ins-leben.de; www.aid.de