Bedeutung des Stillens

Empfehlungen

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Baby und Mutter

  • Stillen: das Beste für Mutter und Kind.

    • Die Zusammensetzung der Muttermilch ist an die kindlichen Bedürfnisse angepasst. Die Milch liefert dem Baby die für Wachstum und gesunde Entwicklung wichtigen Nährstoffe.
    • Muttermilch ist hygienisch einwandfrei und richtig temperiert. Sie ist praktisch, weil immer verfügbar, und kostet nichts.
    • Gestillte Kinder haben im Vergleich zu nichtgestillten Kindern ein verringertes Risiko für Durchfall, Mittelohrentzündung und späteres Übergewicht.
    • Stillende Frauen haben gegenüber nichtstillenden Frauen gesundheitliche Vorteile (raschere Gebärmutterrückbildung nach der Geburt, Risikominderung für Brust- und Eierstockkrebs).
    • Stillen kann zur Förderung der emotionalen Bindung zwischen Mutter und Kind beitragen.

  • Die beste Form der Ernährung für Säuglinge in den ersten Lebensmonaten ist das ausschließliche Stillen.
  • Auch Teilstillen ist wertvoll.

Grundlagen der Empfehlungen

Nationale und internationale Expertengruppen empfehlen, das Stillen als natürliche und bevorzugte Ernährungsform für Säuglinge zu fördern, wobei jegliches – auch teilweises – Stillen sinnvoll ist [69, 77, 85, 163, 232]. Viele Studien und systematische Arbeiten zeigen, dass Stillen mit kurz- und langfristigen gesundheitlichen Vorteilen für Kind und Mutter assoziiert ist [41, 53, 114, 113, 119].


Hintergrundinformationen

Die ausschließliche Ernährung mit Muttermilch liefert die für eine gesunde Entwicklung wichtigen Makro- und Mikronährstoffe und deckt i. Allg. den Nährstoffbedarf (Ausnahmen: Vitamin K und D) des Säuglings in den ersten 6 Lebensmonaten [16, 37, 147, 215]. Muttermilch enthält nicht nur Nährstoffe, sondern auch eine Vielzahl von Substanzen, die das Wachstum und die Entwicklung des Kindes fördern, die immunologische Abwehr und Reifung positiv beeinflussen oder antientzündlich wirken [16, 106, 147].

Verschiedene systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Stillen mit einem geringeren Risiko für die Entstehung von akuten und chronischen Krankheiten assoziiert ist als eine Flaschenernährung [10, 77, 107, 113, 119, 216]. So ist das Risiko für infektiöse Durchfallerkrankungen und für akute Mittelohrentzündung (Otitis media) bei gestillten gegenüber nichtgestillten Säuglingen reduziert.

Stillen ist zudem mit einem geringeren Risiko für plötzlichen Kindstod („sudden infant death syndrome“, SIDS; [107, 119]) sowie mit einem geringeren Risiko für spätere Adipositas assoziiert [10, 114, 119, 170, 236]. Ferner scheint Stillen mit einem geringeren Risiko für akute lymphatische Leukämie verbunden zu sein [9, 119]. Der Effekt des Stillens auf das Risiko für Diabetes Typ 1 und kardiovaskuläre Erkrankungen ist derzeit noch unklar [114, 113, 119]. Neben den gesundheitlichen Effekten ist Stillenmit einer besseren kognitiven Entwicklung des Kindes assoziiert [115, 220].

Vorteile für die Gesundheit der Mutter wurden ebenfalls berichtet: Stillen ist mit einem verminderten Risiko für Eierstockkrebs [41, 119, 146, 148] und für Brustkrebs assoziiert [41, 119, 237]. Auch gibt es Hinweise dafür, dass Frauen, die gestillt haben und nicht von Schwangerschaftsdiabetes betroffen waren, ein geringeres Risiko für Typ- 2-Diabetes haben [11, 41, 119, 121].

Die berichteten Studienergebnisse über Assoziationen zwischen Stillen und der Gesundheit von Kindern und ihren Müttern beruhen fast ausschließlich auf Beobachtungsstudien. Der Einfluss weiterer Faktoren kann nicht ausgeschlossen werden, denn in den meisten untersuchten Populationen ist Stillenmit einem höheren sozioökonomischen Status, höherem Bildungsgrad und anderen Faktoren verbunden, die sich ebenfalls positiv auf einige der Krankheitsrisiken auswirken können.

Stillen wird darüber hinaus als förderlich für die Mutter-Kind-Bindung angesehen [122]. So ist denkbar, dass die beim Saugen an der Brust ausgelöste Oxytozinausschüttung [38, 152] die Bindung zwischen Mutter und Kind fördern kann. Auch wurde über eine höhere Sensibilität für ihr Kind bei stillenden im Vergleich zu nichtstillenden Müttern berichtet [38, 127, 175]. Dazu könnte möglicherweise der Hautkontakt beim Stillen beitragen [38, 157].

Stillen ist nicht nur für gesunde reif geborene Säuglinge sinnvoll. Auch Frühgeborene oder kranke Säuglinge profitieren bis auf wenige Ausnahmen (z. B. bei Galaktosämie) von der Ernährung mit Muttermilch und sollten daher gestillt oder mit abgepumpter Muttermilch ernährtwerden. Bei Frühgeborenen mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht unter 1500 g ist unbedingt eine zusätzliche Anreicherung mit Protein und anderen Nährstoffen erforderlich [57, 131, 149, 214, 219].

Die Belastung der Muttermilch mit Umweltkontaminanten in Deutschland ist seit über 25 Jahren rückläufig [182, 230].