Wie stillfreundlich ist Deutschland?

In einem zweijährigen internationalen Projekt werden stillförderliche und -hinderliche Faktoren für Deutschland systematisch erfasst. Das Ergebnis ist Grundlage, um gezielt effiziente und nachhaltige Maßnahmen zu planen und zu begleiten. Das Vorhaben wird auf Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom Netzwerk Gesund ins Leben und der Nationalen Stillkommission gemeinsam mit der Universität Yale durchgeführt.

Hintergrund

Die aktuellen Handlungsempfehlungen zur Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen lauten: Im 1. Lebenshalbjahr sollen Säuglinge gestillt werden, mindestens bis zum Beginn des 5. Monats ausschließlich. Auch nach Einführung von Beikost – spätestens mit Beginn des 7. Monats – sollen Säuglinge weitergestillt werden. Wie lange insgesamt gestillt wird, bestimmen Mutter und Kind.

In Deutschland werden nur 34% der Säuglinge gemäß den Empfehlungen vier Monate ausschließlich gestillt (Quelle: KiGGS Welle 1, Geburtsjahrgänge 2002–2012). Die Stillquote ist deutlich niedriger als in einigen Nachbarländern. Es besteht zudem kaum Überblick über Strukturen, Akteure und Maßnahmen zur Stillförderung in Deutschland.

Die gesundheitsförderlichen Auswirkungen des Stillens für Mutter und Kind sind unbestritten und hinreichend belegt. Doch ob und wie viele Mütter stillen und wie lange, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab:

  • auf der individuellen Ebene z.B. vom Alter der Mutter oder ihrem sozioökonomischen Status,
  • auf der gesellschaftlich-politischen Ebene z.B. von der sozialen Akzeptanz des Stillens, neuen Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung, Gesetzen, politischer Unterstützung oder der Struktur des Gesundheitssystems.

Frauen und junge Familie sollten auf allen Ebenen ein stillfreundliches Umfeld vorfinden, welches sie bei einer Entscheidung für das Stillen bestärkt und unterstützt.


Foto: © Oscar Brunet / Fotolia.com
Baby wird gestillt

Vorgehen

Das Projekt wird die aktuelle Situation der Stillförderung in Deutschland systematisch abbilden: Welche Initiativen und Maßnahmen gibt es bereits? Welche Strukturen werden für die Stillförderung genutzt? Welche Akteure sind wichtige Ideen- und Impulsgeber? Die Erkenntnisse aus dem anschließenden Soll-Ist-Vergleich liefern wichtige Daten für die Planung, Initiierung und Begleitung von Maßnahmen und Kampagnen für die Stillförderung und den Stillschutz. So kann das gesundheitsförderliche Potential des Stillens bestmöglich ausgeschöpft werden.

Die Grundlage für das Forschungsvorhaben bildet das Breastfeeding-Gear-Modell. Es wurde an der Universität Yale auf der Basis einer systematischen Recherche und Auswertung wissenschaftlicher und weiterer relevanter Literatur entwickelt. Das Modell verfolgt einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz und integriert alle relevanten Handlungsfelder rund ums Stillen, die wie Zahnräder ineinandergreifen: von einer öffentlichkeitswirksamen Anwaltschaft, über gesetzgeberische Maßnahmen und Monitoringaktivitäten bis hin zu Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.


Breastfeeding-Gear-Modell
Zahnradmodell

In Deutschland wird in einem ersten Schritt eine Kommission mit 15 Expertinnen und Experten aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Medienlandschaft gebildet, die „zahnrad“-relevante Informationen recherchieren und bewerten. In einem weiteren Schritt werden dann Handlungsbedarfe und zukünftige Maßnahmen für die Stillförderung in Deutschland abgeleitet. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet den wissenschaftlichen Prozess, um die Wahrnehmung des Stillens und der gesundheitlichen Vorteile in Bevölkerung und Fachkreisen zu erhöhen.

Das Vorhaben ist auf zwei Jahre angelegt und am 1. September 2017 gestartet.


Kontakt

Stephanie Lücke

Dr. Stephanie Lücke

Telefon: 0228 8499-172

E-Mail: stephanie.luecke@ble.de 


Dr. Katharina Reiss (in Elternzeit)