Rückblick: 2. Netzwerkkongress

Netzwerkarbeit mit neuen Perspektiven

Foto: © aid / Jonathan R. Muehlhause
Plenum beim Kongress

"Neue Perspektiven" - unter diesem Motto stand der 2. Kongress von „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“, ein Projekt im Rahmen von IN FORM, am 3. Juli 2012 in Berlin. 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen, diskutierten, tauschten sich aus, knüpften Beziehungen, entwickelten Ideen und Strategien, um gemeinsam den erfolgreichen Weg des Netzwerks weiterzugehen.

Staatssekretär Dr. Robert Kloos vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstrich in seiner Begrüßungsrede ausdrücklich die Bedeutung der Netzwerkpartner. Sie stellen ihre Potentiale für einen guten Zweck bereit und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Prävention und zum Wohle unserer Kinder.

Das Netzwerk: Rückblick und Ausblick

Rückblick nach 2 ½ Jahren Netzwerkarbeit und Ausblick auf die geplanten Aktivitäten gab die Projektleiterin Maria Flothkötter. Mit den einheitlichen Handlungsempfehlungen für die Ernährung des Säuglings, der stillenden Mutter und der Schwangeren, 5 Millionen Abdrucken pro Monat der Pressemeldungen des Netzwerks, mehr als einer halben Million bestellter Broschüren, einer viertel Million Aufkleber für Kinderuntersuchungsheft bzw. Mutterpass, mit Fortbildungen zur Allergieprävention und Säuglingsernährung für Multiplikatoren und weiteren Aktivitäten konnte das Netzwerk „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ innerhalb von 2 Jahren über die Hälfte aller jungen Familien in Deutschland erreichen. Nun sollen die schwer erreichbaren Zielgruppen verstärkt in den Blick genommen werden und Aktivitäten auf Bundesebene und vor Ort mehr zusammenwachsen. (Vortrag zum Download, PDF | 3,9 MB)

Das Netzwerk trägt zum Wohl der Kinder bei. Das bestätigt die Evaluation von Prof. Petra Kolip. Die Netzwerk-Fortbildungen werden von Teilnehmerinnen und Teilnehmern wie Referentinnen und Referenten positiv bewertet, der gemessene Wissenszuwachs ist groß. Die Medien werden gut bis sehr gut beurteilt. 36 % der Handlungsempfehlungen erhalten von den Fachkräften starke Zustimmung, 11 % werden allerdings nicht geteilt. (Vortrag zum Download, PDF | 299 kb)

Eltern wirklich erreichen: hilfreiche Ansätze

Neue Perspektiven, um das gesunde Aufwachsen der Kinder zu fördern, sah Dr. Michael Abou-Dakn, Gynäkologe am St. Joseph-Krankenhaus aus Berlin, bei der Einbindung von Vätern. Untersuchungsergebnisse zeigen: Die Einstellung der Väter zum Stillen entscheidet darüber, ob und wie lang gestillt wird. Männer sind erreichbar, wenn ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Vor allem in der Phase der späten Schwangerschaft und im Wochenbett sind sie für Gesundheitsthemen und Verhaltensänderungen offen. (Vortrag zum Download, PDF | 4,6 MB)

„It’s simple but it’s not easy“, bringt Prof. Meinrad Armbruster seine Erfahrungen aus seiner erfolgreichen Elternarbeit mit sozial benachteiligten Familien auf den Punkt. Da bis zu 70 % der emotionalen und sozialen Stabilität sowie der kognitiven Offenheit der Kinder durch die Eltern beeinflusst werden, führt an der Förderung der Eltern kein Weg vorbei. Die Arbeit sollte jedoch von einer wertschätzende Haltung und Atmosphäre geprägt sein. Nicht die Frage „Was kannst du nicht?“, sondern „Das kannst du. Und was noch?“ macht Eltern zu Alltagsexperten und sorgt für nachhaltiges Empowerment. Die Arbeit setzt an den Fragen der Eltern, ihrem Lebens- und Sozialraum an und muss vor allem Spaß machen. Dann bleiben Eltern „dabei“. So wie in der Eltern-AG in Magdeburg: Hier treffen sich 65 % der Gruppen auch nach einem Jahr noch regelmäßig. (Vortrag zum Download, PDF | 2,2 MB)

Dr. Eike Quilling eröffnet mit dem „Motivational Interviewing“ neue Perspektiven für die Beratung. Die Methode orientiert sich an den Stadien, in der sich der Ratsuchende gerade befindet. In jedem Stadium gibt es ein kleines Fenster, „in das man einhaken kann“, sei es um Informationen zu geben, bei der Abwägung von Pro und Kontra alter und neuer Verhaltensweisen zu unterstützen oder um deutlich zu machen, dass Rückschritte dazu gehören. In jedem Stadium wird andere Unterstützung gebraucht. Die Motivation zur Verhaltensänderung muss jedoch immer von innen kommen. (Vortrag zum Download, PDF | 1,7 MB)

Bewährte Netzwerkarbeit durch neue Perspektiven bereichert

Fünf Workshops gaben Raum zu Feedback, Austausch und Entwicklung weiterer Perspektiven. Einige Blitzlichter aus dem bunten Strauß: Die persönliche Ansprache wird für sozial benachteiligte Familien als ungemein wichtig angesehen; ebenso, die Familie als System in den Blick zu nehmen. Die Professionalisierung bei Finanzierung und Etablierung der Maßnahmen sowie eine engere Verknüpfung zu bestehenden Programmen sind wünschenswert. Im Hinblick auf die Entwicklung der neuen Handlungsempfehlungen für Kleinkinder sollten Einkaufs-, Zubereitungs- und Erziehungskompetenz gestärkt werden. Nach außen sichtbar sein, Wir-Gefühl aufbauen, einen Kümmerer haben, Ziele setzen sind Erfolgsfaktoren für Beratungsnetzwerke. Die strategischen Empfehlungen für das Netzwerk lauten: Öffentlichkeitsarbeit intensivieren, Netzwerk und Empfehlungen noch bekannter machen und die Krankenkassen stärker beteiligen.

Mit einer Fülle an Anregungen und Empfehlungen ging ein von intensivem Austausch geprägter Kongresstag zu Ende. Die Netzwerkarbeit geht mit neuen Perspektiven weiter.

Monika Cremer, Netzwerk "Gesund ins Leben"


Bilder von der Veranstaltung