Rückblick: Fachtagung Frühkindliche Prävention

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Expertendiskussion

Foto: © Béla Biank

Im Mittelpunkt einer Expertendiskussion mit den Gründungsmitgliedern des „Bündnis Frühkindliche Prävention“ Dr. med. Christian Albring (Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte) und Dr. med. Wolfram Hartmann (Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte BVKJ) sowie Prof. Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München und Dr. med. Regina Klakow-Franck vom Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA stand die Frage, wie die gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen in Richtung primärpräventiver Angebote weiterentwickelt werden können. Dabei wurden die Chancen, aber auch die Stolpersteine thematisiert, die das Präventionsgesetz bietet.

Dr. med. Wolfram Hartmann beklagte, dass die Pädiater bereits seit mehreren Jahren eine Verbesserung der Vorsorgeuntersuchungen einforderten, die bis heute im Wesentlichen auf Erkenntnissen der 70er Jahre basierten: „Wir wünschen uns, dass die Vorsorgeuntersuchungen endlich reformiert werden und unsere neuen Erkenntnisse aufgenommen werden“, so der Präsident des BVKJ. Hier verwies Dr. med. Regina Klakow-Franck darauf, dass der G-BA den Auftrag vom Gesetzgeber hat, bis spätestens Ende 2018 die Kinderfrüherkennungsuntersuchungen und Mutterschutzuntersuchungen weiterzuentwickeln. Dass sich der G-BA in der letzten Aktualisierung noch nicht für einen Ausbau der primärpräventiven Beratungsangebote entschließen konnte, erklärte Klakow-Frank jedoch nicht als endgültigen Beschluss: „Wir werden einen neuen Anlauf nehmen, da wir mit dem Präventionsgesetz den ausdrücklichen Auftrag haben, die Gesundheitsuntersuchungen evidenzbasiert weiterzuentwickeln“. Gleichzeitig warnte sie jedoch vor populistischen Argumenten, die Entscheidung für den Ausbau sei nur aus Kosteneinsparungen vertagt worden und verwies darauf, dass sich die verpflichtenden Entscheidungen des G-BA neben den langfristigen positiven Effekten auch in der Kosteneffektivität bewähren müssten. Sollte die Evidenz bereits vorgelegter Studien noch nicht ausreichen, könne der G-BA jedoch Erprobungsstudien anstoßen, bevor ein verpflichtendes Beratungsangebot eingeführt würde.

Dass noch deutlicher Bedarf an wissenschaftlichen Studien zum Thema besteht, war Konsens unter den Experten. „Uns fehlt ausreichend wissenschaftliche Basis“ so Prof. Hauner. „Dabei haben wir so gute Strukturen in Deutschland und so viel Know-how, aber uns fehlen belastbare Evaluationsergebnisse.“ Hauner kritisierte in dem Zusammenhang die geringe Bereitschaft von Krankenkassen und anderen Einrichtungen, mehr finanzielle Mittel für die Evaluation von Maßnahmen bereitzustellen. Auch wurde der Wunsch nach einer stärkeren Zusammenarbeit unter den Ministerien geäußert und die Verstetigung von Maßnahmen statt der Förderung kurzfristiger Projekte angemahnt.

Die Gründung des „Bündnis Frühkindliche Prävention“ sei ein wichtiger Schritt, um das Thema auf die öffentliche Agenda zu bringen, so Dr. med. Christian Albring: „Wir müssen die Fachöffentlichkeit ebenso wie die Medien und die Politik ansprechen, um das Bewusstsein für die Bedeutung der frühkindlichen Prävention zu fördern. Daher setzt sich das Bündnis dafür ein, die Politik sowie relevante Stakeholder des Gesundheitswesens für die Wahrnehmung und Nutzung dieses frühen Präventionspotenzials zu gewinnen und Interessen im Handlungsfeld frühkindliche Prävention zu bündeln.


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Gesundheitspolitisches Fachgespräch

Um den Dialog mit der Politik aufzunehmen, fand im Anschluss an die Fachtagung ein gesundheitspolitisches Fachgespräch zum Thema „Gesund von Anfang an – Prävention beginnt im Mutterleib“ statt. An dem Fachgespräch nahmen die Bundestagsabgeordneten Rudolf Henke MdB (CDU/CSU), Kordula Schulz-Asche MdB (Bündnis 90/Die Grünen) und Jörn Wunderlich MdB (Die Linke) teil, die SPD war durch Dr. Thomas Spies, Bundesvorsitzender der AG der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen, vertreten. Mit ihnen diskutierten zudem Dr. med. Regina Klakow-Franck (G-BA) und Prof. Berthold Koletzko (LMU) vor Gästen aus Politik, Wissenschaft, medizinischen Berufsverbänden und Fachgesellschaften, Krankenkassen und Gesundheitsvorsorge.


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Prävention als Gemeinschaftsaufgabe

In seinem Ausblick betonte Dr. med. Wolfram Hartmann, dass die durchgehend positive Resonanz auf die Veranstaltung noch einmal die hohe Relevanz des Themas Frühkindliche Prävention bestätigt habe und forderte die Teilnehmer der Tagung auf, das „Bündnis Frühkindliche Prävention“ als ein gemeinsames Vorhaben zu unterstützen. „Das Thema Prävention ist in der Gesellschaft und der Politik endlich angekommen – nun gilt es, sich gemeinsam für die Umsetzung einzusetzen!“


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Bilder von der Veranstaltung

Rund 180 Teilnehmer tauschten sich bei der Fachtagung „Frühkindliche Prävention“ mit Vertretern aus Gesundheitswesen, Wissenschaft und Politik aus. (Foto: © Béla Biank 2015)
Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft würdigte die Arbeit von Gesund ins Leben und 9+12 Gemeinsam gesund in Schwangerschaft und erstem Lebensjahr.  (Foto: © Béla Biank 2015)
Ministerialdirigentin Maria Becker vom Bundesministerium für Gesundheit bei ihrem Grußwort. (Foto: © Béla Biank 2015)
Prof. Joachim W. Dudenhausen von der Stiftung für das behinderte Kind, vormals Charité Universitätsmedizin Berlin, referierte zur metabolischen Programmierung während der Schwangerschaft. (Foto: © Béla Biank 2015)
Kinderarzt Prof. Berthold Koletzko von der Ludwig-Maximilians-Universität München unterstrich den nachhaltigen Einfluss der Säuglingsernährung auf die lebenslange Gesundheit. (Foto: © Béla Biank 2015)
Foto: © Béla Biank 2015
Maria Flothkötter, Projektleiterin von 'Gesund ins Leben' (Foto: © Béla Biank 2015)
Cornelia Wäscher, Projektkoordinatorin von '9+12 Gemeinsam gesund in Schwangerschaft und erstem Lebensjahr' (Foto: © Béla Biank 2015)
Dr. Diana Sonntag vom Mannheimer Institut für Public Health erläuterte in ihrem Vortrag die Bedeutung perinataler Übergewichtsprävention aus gesundheitsökonomischer Sicht. (Foto: © Béla Biank 2015)
Foto: © Béla Biank 2015
Expertendiskussion mit, von links, Moderatorin Dr. Adelheid Müller-Lissner, Prof. Hans Hauner (Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München), Dr. med. Regina Klakow-Franck (Gemeinsamer Bundesausschuss G-BA) und den Gründungsmitgliedern des „Bündnis Frühkindliche Prävention“ Dr. med. Christian Albring (Berufsverband der Frauenärzte) und Dr. med. Wolfram Hartmann (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVKJ). (Foto: © Béla Biank 2015)
Gesundheitspolitisches Fachgespräch mit Moderatorin Dr. Adelheid Müller-Lissner, Dr. Thomas Spies (SPD), Rudolf Henke MdB (CDU/CSU), Prof. Berthold Koletzko (LMU),  Dr. med. Regina Klakow-Franck (G-BA), Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen) und Jörn Wunderlich (Die Linke). (Foto: © Béla Biank 2015)

Veranstalter

Die Fachtagung „Frühkindliche Prävention“ wurde in Kooperation der beiden IN FORM-Projekte Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie und 9+12 Gemeinsam gesund in Schwangerschaft und erstem Lebensjahr ausgerichtet. Beide Projekte werden gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

IN FORM wurde 2008 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. Weitere Informationen finden Sie unter: www.in-form.de

 

Wenn auch Sie das „Bündnis Frühkindliche Prävention“ unterstützen möchten oder weitere Informationen zum Thema wünschen, wenden Sie sich per Mail an: post@gesund-ins-leben.de