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Kind klettert, Mutter im Hintergrund
Kzenon / Fotolia.com

Empfehlungen

  • Eltern sollen die Bewegungserfahrungen von Kleinkindern aktiv unterstützen, z. B. hierdurch:
    • Sie bauen gemeinsam mit dem Kind Bewegung in den Alltag ein und geben gezielt vielfältige Bewegungsanreize.
    • Sie schaffen möglichst viel Zeit und sichere Räume für Bewegung des Kindes.
    • Sie ermöglichen Bewegungserfahrungen mit anderen Kindern.
    • Sie nutzen Familienangebote wie Eltern-Kind-Turnen und andere Bewegungsangebote für Kleinkinder.
  • Eltern sollen selbst gewählte körperliche Aktivitäten des Kindes nicht unterbrechen, solange keine ernsthaften Gefahren drohen. Kinder sollen lernen, mit Herausforderungen und Risiken kompetent umzugehen.

Grundlagen der Empfehlungen

Unterstützung und Anregungen zu Bewegung durch die Eltern sowie ihr eigenes Aktivitätsniveau sind positiv mit der körperlichen Aktivität des Kindes assoziiert, darauf weisen Übersichtsarbeiten hin [131, 227]. Die zentrale Rolle der Eltern als Vorbild und als Impulsgeber für Bewegung ihrer Kinder wird in nationalen Bewegungsempfehlungen zum Ausdruck gebracht [146, 147]. Die Verbesserung motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten gibt Bewegungssicherheit und hilft so Unfälle zu vermeiden.

Hintergrundinformationen

Das Kleinkind braucht Möglichkeiten und Anregungen, um entsprechend seinem Entwicklungsstand motorische Fähigkeiten anzuwenden und Fertigkeiten zu entwickeln. Wann welche Bewegungsfertigkeiten erlernt werden, ist individuell jedoch sehr unterschiedlich und nur bedingt zu beeinflussen. So können manche Kinder schon mit elf Monaten frei gehen, andere erst mit 16 Monaten [106].

Durch die zunehmende Technisierung in vielen Lebensbereichen ist reichliche Bewegung im Alltag nicht mehr selbstverständlich. Bewegung muss daher bewusst in den Alltag eingeplant werden. Die Förderung der körperlichen Aktivität findet auf den Ebenen der Verhaltens- und Verhältnisprävention statt [146]. Die einfachste Möglichkeit für mehr Bewegung im Familienalltag ist, kurze Wege gemeinsam mit dem Kind zu Fuß zu gehen oder es mit dem Laufrad oder Roller fahren zu lassen. Dies früh zur Gewohnheit zu machen, schont zudem Umweltressourcen.

Vor allem selbstständige Bewegungserfahrung (unstrukturierte Bewegung) ist erwünscht. Dabei eignet sich das Kleinkind Bewegungsfertigkeiten „im eigenen Tempo“ an und übt sie, bis sie zunehmend sicherer, besser kontrolliert, zielgerichteter und flüssiger werden. Kinder brauchen aber auch andere Kinder. Gemeinsam werden Bewegungs- und Spielideen entwickelt, neue Erfahrungen geteilt [229] und motorische wie soziale Entwicklung gleichermaßen gefördert. Spontane, abwechslungsreiche Bewegungsanregungen (z. B. Bewegungsspiele, Bewegung mit Musik, mit Alltagsmaterialien oder der Entwicklung angemessene Spielsachen) werden den natürlichen Aktivitätsmustern von Kindern gerecht und bieten – genauso wie strukturierte Bewegungsangebote – Anreize für körperliche Aktivität.

Zu den Maßnahmen der Bewegungsförderung gehört, Zeit für Bewegung routinemäßig im Familienalltag und in der Kindertagesbetreuung einzuplanen. Es bedarf aber auch bewegungsfreundlicher Umgebungen. Räume – egal ob drinnen oder draußen – sollten so gestaltet werden, dass sie zur Bewegung anregen und diese möglichst wenig einschränken, gleichzeitig aber kindersicher sind (z. B. Treppen, Steckdosen, Gartenteiche sichern).

Eltern haben oft Angst, dass sich ihre Kinder verletzen. Doch eine Risikoerhöhung für ernsthafte Verletzungen durch mehr Bewegung wurde in Studien nicht beschrieben [146, 222]. Kinder brauchen die Chance, Kompetenzen im Umgang mit Herausforderungen zu entwickeln. Durch das eigenständige Ausprobieren von Bewegung, das Erfahren ihrer Selbstwirksamkeit werden sie nicht nur sicherer, auch das Selbstvertrauen und die Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts (das Wissen über sich selbst) werden gestärkt. Eltern sollten ihr Kind daher möglichst viel allein ausprobieren lassen, aber es auch nicht in Positionen (z. B. Stehen, Gehen) bringen, die es selbst noch nicht erreichen kann. Spezielle Lauflernhilfen sind sogar gefährlich, denn Kleinkinder erreichen damit kurzzeitig hohe Geschwindigkeit (bis zu 10 km/h) und können sich schwer verletzen [126, 184, 196].

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Literatur

106. Koletzko B (2013) Kinder- und Jugendmedizin. Springer, Berlin

126. Mayr J, Gaisl M, Purtscher K et al. (1994) Baby walkers-an underestimated hazard for our children? Eur J Pediatr 153:531-534

131. Messing S, Rütten A, Abu-Omar K et al. (2019) How Can Physical Activity Be Promoted Among Children And Adolescents? A Systematic Review of Reviews Across Settings. Front. Public Health 7:55

146. Pfeifer K, Banzer W, Ferrari N et al. (2016) Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/
fileadmin/Dateien/3_Downloads/B/Bewegung/Nationale-Empfehlungen-fuer-Bewegung-und-Bewegungsfoerderung-2016.pdf, Zugegriffen: 24.11.2020

147. Piercy KL, Troiano RP, Ballard RM et al. (2018) The Physical Activity Guidelines for Americans. JAMA 320:2020-2028

184. Sims A, Chounthirath T, Yang J et al. (2018) Infant Walker-Related Injuries in the United States. Pediatrics 142:e20174332

196. Stiftung Warentest (2011) Lauflernhilfen: Überflüssig und gefährlich. http://www.test.de/Lauflernhilfen-Ueberfluessig-und-gefaehrlich-4266104-0/, Zugegriffen: 18.04.2022

222. World Health Organization (2019) Guidelines on physical activity, sedentary behaviour and sleep for children under 5 years of age. In: World Health Organization, Geneva

227. Xu H, Wen LM, Rissel C (2015) Associations of parental influences with physical activity and screen time among young children: a systematic review. J Obes 2015:546925

229. Zimmer R (2008) Bildung durch Bewegung in der frühen Kindheit. In: Schmidt W (Hrsg.) Zweiter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Schwerpunkt: Kindheit. Hofmann Verlag, Schorndorf