Nachgefragt im Februar: Warum und in welcher Form brauchen Säuglinge zusätzlich Vitamin K?

13.02.2014

Vitamin K nimmt eine Schlüsselfunktion bei der Bildung von Prothrombin und anderen Blutgerinnungsfaktoren ein. Bei einem Mangel kann es zu Hirn-, Haut- und Darmblutungen kommen [1; 3]. Da Neugeborene noch keinen ausreichenden Vitamin-K-Speicher besitzen, sind sie auf eine schnelle Vitamin-K-Zufuhr nach der Geburt angewiesen. Die von der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) empfohlene Vitamin-K-Prophylaxe dient der Prävention von Vitamin-K-Mangel-Blutungen bei Säuglingen. Sie reduziert das Blutungsrisiko deutlich [1]. Jeder Säugling braucht deshalb zusätzlich Vitamin K. Doch in welcher Form und Menge sollte Vitamin K dem Neugeborenen verabreicht werden?

Neugeborenes

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Empfohlen wird die orale Verabreichung von dreimal 2 mg Vitamin K als Tropfen. Dabei erfolgt die erste Gabe unmittelbar nach der Geburt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U1. Am 4. bis 7. Lebenstag und in der 3. bis 6. Lebenswoche und zwar jeweils im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen U2 und U3 werden dem Säugling die beiden weiteren Gaben von je 2 mg Vitamin K in den Mund geträufelt. Diese von der DGKJ empfohlene und in Deutschland übliche Form der postnatalen Vitamin-K-Prophylaxe wird in den Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben, einer IN FORM-Initiative des Bundesernährungsministeriums, unterstützt [3].

Neugeborene sind auf eine rasche Vitamin-K-Zufuhr angewiesen, da sie keinen ausreichenden Speicher besitzen. Während der Schwangerschaft findet der Vitamin-K-Transfer über die Plazenta nur in geringem Umfang statt wodurch auch die Konzentration in der Leber des Neugeborenen sehr niedrig ist. Die Synthese von Vitamin K durch Darmbakterien ist beim Säugling noch zu vernachlässigen. Zusätzlich erhöht sich die Gefahr eines Vitamin-K-Mangels durch den niedrigen Vitamin-K-Gehalt der Muttermilch und deren eingeschränkte Verfügbarkeit in den ersten Lebenstagen. [2]

Ohne Prophylaxe haben Neugeborene ein höheres Risiko an späten Vitamin K-Mangel-Blutungen [4]. Mithilfe der dreimaligen prophylaktischen oralen Gabe von 2 mg Vitamin K konnte das Blutungsrisiko in Deutschland zwischen 1997 und 2002 bei Neugeborenen deutlich reduziert werden [1]. Andere Methoden der Vitamin-K-Prophylaxe, wie eine täglich niedrig dosierte oder eine wöchentliche Gabe von Vitamin K für die Dauer der ersten Lebensmonate, haben sich in der Vergangenheit als weniger wirksam herausgestellt. In den Niederlanden zeigten eine täglich niedrig dosierte Supplementierung von 25 µg Vitamin K keine zufrieden stellende Wirksamkeit. Zwar hat sich die Gabe von 2 mg Vitamin K bei der Geburt gefolgt von wöchentlichen Verabreichungen von 1 mg Vitamin K für die Dauer des (überwiegenden) Stillens in Dänemark als wirksam herausgestellt, es bestehen allerdings erhebliche Zweifel darin, ob die regelmäßige Anwendung über einen dreimonatigen Zeitraum verlässlich durchgeführt werden kann, weshalb sie in Deutschland nicht empfohlen wird [1].

Vitamin-K-Prophylaxe als Injektion in besonderen Situationen. Die als besonders wirksam eingestufte einmalige intramuskuläre Prophylaxe unmittelbar nach der Geburt wurde in den 1990er Jahren mit einer Risikoerhöhung für Leukämien und anderen Tumoren in Zusammenhang gebracht. Der Verdacht konnte später nicht bestätigt aber auch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Eine dreimalige orale Gabe von 2 mg Vitamin K wird daher weiterhin empfohlen. Lediglich für Reifgeborene mit schlechtem Allgemeinzustand oder Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht < 1.500 g wird aufgrund der schwierigeren oralen Anwendung die Spritze empfohlen [1; 3].

Quellen:

[1] Vitamin-K-Prophylaxe bei Neugeborenen, Empfehlungen der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Monatsschr Kinderheilkd 161, 351-353 (2013)

[2] Biesalski HK, Fürst P, Kasper H, Kluthe R, Pölert W, Puchstein C, Stählin HB: Ernährungsmedizin, nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer, Thieme (2010)

[3] Koletzko B, Bauer C-P, Brönstrup A et al.: Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter. Aktualisierte Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie. Monatsschr Kinderheilkd 161, 237–46 (2013)

[4] S Kelzon, B Wiebe, H Reinhard, G Horneff, M Ehlen: Thymushämorrhagie als seltene Manifestation einer späten Vitamin K-Mangel-Blutung. Z Geburtshilfe Neonatol 2009; 213 - PO_N_13_04 (2009)

 

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