Nachgefragt im Juni: Sind Säuglingsmilchnahrungen aus Soja-, Ziegen- oder Stutenmilch für allergiegefährdete Säuglinge geeignet?

11.06.2014

Säuglinge sind vor allem dann allergiegefährdet, wenn mindestens ein Elternteil, Schwester oder Bruder von einer Allergie betroffen ist oder war. Sicher verhindert werden kann eine Allergie nicht, das Risiko kann aber mit einfachen Vorsorgemaßnahmen reduziert werden: So ist ausschließliches Stillen mindestens bis zu Beginn des fünften Lebensmonats die beste Ernährungsweise zum Schutz vor Allergien [1]. Risikokinder, die im ersten Lebenshalbjahr nicht oder nicht ausschließlich gestillt werden, sollten als Muttermilchersatz mindestens bis zur Einführung der Beikost eine HA-Säuglingsnahrung erhalten [2]. Da im Säuglingsalter Kuhmilch zu den Allergenen zählt, die am häufigsten Lebensmittelallergien auslösen, fragen sich Eltern oft, ob auch die Verwendung von Soja-, Ziegen- oder Stutenmilch einen Schutz vor Allergien bieten kann.

Säugling

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Säuglingsnahrungen auf der Basis von Sojaeiweiß, Ziegen- oder Stutenmilch sind nicht zur Allergievorbeugung geeignet, erklärt das Netzwerk Gesund ins Leben, eine IN FORM-Initiative des Bundesernährungsministeriums. Auch die S3-Leittlinie zur Allergieprävention [1] ist in dieser Aussage eindeutig. Weder Säuglingsmilchnahrungen aus Soja sind zum Zwecke der Allergievorbeugung zu empfehlen noch die aus Ziegen-, Stuten oder anderen Tiermilchen hergestellten Milchnahrungen. Gegen Milchnahrungen auf Sojaeiweißbasis spricht unter anderem auch der Gehalt an Phytoöstrogenen, pflanzliche Substanzen, die hormonähnliche Wirkung haben können. Sie ähneln in ihrer chemischen Struktur dem weiblichen Hormon Östrogen. Die Einflüsse auf den kindlichen Organismus sind noch nicht abschließend geklärt [3].

Eine bessere Verträglichkeit von beispielsweise Ziegenmilch gegenüber Kuhmilch ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Kuhmilch stellt die am meisten verwendete Basis für die Herstellung von Säuglingsmilchnahrung dar. Das erste Fremdeiweiß, mit dem ein Kind in Deutschland über die Nahrung in Kontakt kommt, ist in der Regel Kuhmilch. Dies ist auch gut so, denn sie liefert dem Säugling in Form einer Säuglingsmilchnahrung eine ausgewogene Mischung an Nährstoffen. Da die Eiweiße in Ziegen- oder Stutenmilch ähnlich zur Kuhmilch sind, können sie ebenfalls Allergien auslösen. Außerdem entsprechen ihre Inhaltsstoffe, vor allem bei selbst hergestellter Milch, nicht den Bedürfnissen des Säuglings. Zum Zwecke der Allergieprävention sind sie keine Alternativen zu kuhmilchhaltiger Säuglingsmilchnahrung.

HA-Nahrung für allergiegefährdete Säuglinge. Neben Muttermilch bietet lediglich HA-Nahrung einen präventiven Schutz für allergiegefährdete Säuglinge. Wenn nicht gestillt bzw. teilgestillt wird, sollten Risikokinder bis zur Einführung der Beikost eine HA-Nahrung erhalten [1]. Das Kürzel „HA“ steht für hypoallergen und kennzeichnet Säuglingsnahrungen auf Basis von Kuhmilcheiweiß, in denen das Milcheiweiß in kleine Bruchstücke gespalten (hydrolysiert) sind. Dadurch wird es vom Körper nicht so leicht als Fremdeiweiß erkannt und löst seltener Allergien aus.

Quellen:

[1] Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), in Zusammenarbeit mit dem Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA): S3-Leitlinie Allergieprävention. AWMF-Leitlinien-Register Nr 061/016 [serial on the Internet]. 2009

[2] Koletzko B, Brönstrup A, Cremer M et al.: Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter. Aktualisierte Handlungsempfehlungen. Monatsschr Kinderheilkd 2013;161:237–46

[3] Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie: Stellungnahme zur Verwendung  von Säuglingsnahrungen auf Sojaeiweißbasis. Monatsschr Kinderheilkd 2006; 154:913–916

 

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