Nachgefragt im September: Warum sollen Säuglingsmilchnahrungen nicht selber hergestellt werden?

22.09.2014

Die beste Form der Ernährung für gesunde Säuglinge in den ersten Lebensmonaten ist das ausschließliche Stillen. Auch Teilstillen ist wertvoll. Muttermilch durch ein Fertigprodukt gleichwertig zu ersetzen, ist bis heute noch nicht gelungen. [1] Durch jahrzehntelange Forschung und Entwicklung ist jedoch mit der industriell gefertigten Säuglingsmilchnahrung eine gute Alternative für nicht bzw. nicht voll gestillte Säuglinge erhältlich. Was aber ist mit der „klassischen“ Milchflasche, die früher aus Kuhmilch und anderen Zutaten selbst hergestellt wurde?

Babyfläschchen

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Selbst hergestellte Säuglingsnahrungen als Alternative zu industriell hergestellten Pulvernahrungen sind nicht geeignet, erklärt das Netzwerk Gesund ins Leben, eine IN FORM-Initiative des Bundesernährungsministeriums. Säuglingsmilchnahrung nicht selbst herzustellen, sondern fertig zu kaufen, wird auch von den Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sowie dem Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfohlen. Dies gilt für alle Milcharten (Kuh-, Ziegen-, Schafs-, Stutenmilch) sowie für andere Rohstoffe, wie Mandeln oder Soja [2]. Der Nährstoffbedarf von Säuglingen wird aus der Zusammensetzung von Muttermilch abgeleitet. Auf dieser Grundlage werden auch industrielle Säuglingsmilchnahrungen hergestellt. Durch eigene Herstellung ist es nahezu unmöglich, eine ausgewogene, auf das Baby abgestimmte Nährstoffkomposition zu erreichen. Das führt dazu, dass Säuglinge mit einer selbst hergestellten Milchnahrung nicht so gut gedeihen.

Zu viel Eiweiß in Tiermilch belastet die Nieren des Säuglings. Die Ausscheidungsfunktionen der Nieren sind beim Säugling noch nicht voll entwickelt. Deswegen spielt der Eiweißgehalt der Säuglingsnahrung eine wichtige Rolle. Ein hoher Eiweißgehalt geht mit einer hohen renalen Molenlast einher. Das bedeutet, harnpflichtige Substanzen müssen aus dem Abbau des Eiweißes – also Harnstoff – über die Niere ausgeschieden werden. Muttermilch ist im Vergleich zu anderen Tiermilchen eiweißarm. Das führt zu einer niedrigeren renalen Molenlast und damit kommt es zu einer geringen Belastung der kindlichen Nieren. Eine Ernährung des Säuglings mit einer aus Kuhmilch selbst hergestellten Säuglingsmilch würde aufgrund des hohen Eiweiß- und Mineralstoffgehaltes im Vergleich zu Muttermilch eine etwa dreifache renale Molenlast bewirken. [3]

Hygienische Risiken bei der eigenen Herstellung von Säuglingsmilch. Selbst bei größter Sauberkeit im Haushalt ist die hygienische Sicherheit bei der Selbstherstellung nicht immer gewährleistet. Dies erhöht das Risiko für Magen-Darm-Infektionen. Auch aus diesem Grund wird von der Selbstherstellung von Säuglingsmilchnahrung abgeraten.

Quellen:

[1] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Unterschiede in der Zusammensetzung von Muttermilch und industriell hergestellter Säuglingsanfangs- und Folgenahrung und Auswirkungen auf die Gesundheit von Säuglingen, Stellungnahme der Nationalen Stillkommission vom 16. Juli 2012; www.bfr.bund.de/cm/343/unterschiede-in-der-zusammensetzung-von-muttermilch-und-industriell-hergestellter-saeuglingsanfangs-und-folgenahrung.pdf, 16.09.2014

[2] Koletzko B, Brönstrup A, Cremer M et al.: Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter. Aktualisierte Handlungsempfehlungen. Monatsschr Kinderheilkd 2013;161:237–46

[3] Bergmann R: Gesunde Ernährung von Anfang anfang an – Gesundheitsschutz durch Muttermilch; www.bfr.bund.de/cm/343/gesunde_ernaehrung_von_anfang_an_gesundheitsschutz_durch_muttermilch.pdf, 16.09.2014 

 

 

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