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Zahnärztin zeigt Kleinkind mit Vater Zähneputzen
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Die pädiatrischen und zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen bieten den geeigneten Rahmen zur Beratung der Eltern zur Kariesprophylaxe, zu möglichen Fluoridanwendungen sowie zu zahnschonender Ernährung und Mundhygiene in den verschiedenen Altersstufen des Kindes. 

Die Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern leisten einen Beitrag zur gesunden Entwicklung von Kindern und damit auch zur Mund- und Zahngesundheit. Sie sind Grundlage für die Beratung zur zahnschonenden Ernährung [16, 17]. Nach diesen Empfehlungen sollen u.a. süße Getränke, das Dauernuckeln und die „Flasche zum Einschlafen“ vermieden werden. Getränke sollten aus Becher oder Tasse angeboten werden.

Von der Geburt, in der Regel ab der zweiten Lebenswoche, bis zum Zahndurchbruch wird eine systemische Fluoridgabe mittels Tablette in Kombination mit Vitamin D empfohlen. Die Supplementierung richtet sich nach dem Fluoridgehalt des zur Zubereitung der Säuglings(milch)nahrung verwendeten Wassers (siehe oben). Im Rahmen der ersten Früherkennungsuntersuchungen werden Eltern über die Wirksamkeit von Fluorid zur Kariesprophylaxe und die Sicherheit bei korrekter Dosierung der empfohlenen Menge informiert.

Im Alter zwischen 6 und 10 Monaten brechen bei den meisten Kindern die ersten Milchzähne durch [18]. Das Kind wird dann allmählich und behutsam an das regelmäßige Zähneputzen (ohne oder mit Zahnpasta) herangeführt. Ziel ist es, bis zum Kleinkindalter das 2 x tägliche Zähneputzen als Routine im Tagesablauf zu etablieren.

Die pädiatrische Beratung zur Kariesprophylaxe ab Zahndurchbruch erfolgt je nach Zeitpunkt des Zahndurchbruchs, meist bei der U5 im 6. bis 7. Lebensmonat. Da 99,4 Prozent aller Kinder die U5 in Anspruch nehmen [19], werden damit nahezu alle Kinder dieser Altersstufe erreicht. Im Rahmen der zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen (FU1a zwischen 6. und 9. Lebensmonat und FU1b im 10. bis 20. Lebensmonat) können Zahnärztinnen und Zahnärzte Informationen zu zahngesunder Ernährung, Zahnpflege und zu Fluoridierungsmaßnahmen vermitteln. Hier soll auch eine praktische Anleitung zur Mundhygiene beim Kleinkind erfolgen. Die Kinder-Richtlinie sieht seit Ende 2019 zur besseren Vernetzung von Pädiatrie und Zahnmedizin in allen Untersuchungen von U5 bis U9 den Verweis zu den zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen vor [20].

Pädiatrische und zahnärztliche Beratung ergänzen sich

Pädiatrische und zahnärztliche Beratung ergänzen sich und sollen übereinstimmende Botschaften enthalten. Um die Compliance für die Weiterführung der Rachitisprophylaxe zu stärken, wird im Kontext der pädiatrischen Beratung immer auch zur Weiterführung der Vitamin-D-Gabe beraten (Verknüpfung der beiden Empfehlungen). Zahnärztinnen und Zahnärzte informieren und motivieren ebenfalls zur Beibehaltung der Vitamin-D-Gabe in den ersten 12 bis 18 Monaten (je nach Geburtszeitpunkt). Eine gute Vitamin-D-Versorgung ist für die Gesundheit der Zähne ebenfalls von Bedeutung.

Auch in den weiteren Lebensjahren des Kindes kommt der Beratung zu Mundhygiene, zahnschonender Ernährung, Zahnpflege, korrekter Dosierung und Anwendung der fluoridhaltigen Zahnpasta im Rahmen der pädiatrischen und der zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen eine große Bedeutung zu. Diese wird durch Beratung und praktische Schulung im Rahmen der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe ergänzt.

Pädiatrische und zahnärztliche Beratungskräfte sollten ein besonderes Augenmerk auf Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko richten. Dies zeigt sich vor allem durch frühes Auftreten von Plaque an den Oberkieferfrontzähnen, Initialkaries (nichtkavitierte kariöse Läsionen) sowie kavitierender Karies. Diese Befunde werden mit höherer Prävalenz bei Kindern aus Familien mit problematischem Ernährungs- und Mundhygieneverhalten und mit niedrigem sozioökonomischem Status gefunden, außerdem bei Kindern mit Behinderungen und chronischen Krankheiten.

In begründeten Einzelfällen können Pädiater*in und Zahnärzt*in von den generellen Empfehlungen abweichen. Sie sollen sich dann hinsichtlich der Vorgehensweise abstimmen und sich einvernehmlich verständigen, um Eltern nicht zu verunsichern und einer parallelen Anwendung von Fluorid durch fluoridierte Zahnpasta und Supplemente vorzubeugen.

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