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Ungestörter Hautkontakt direkt nach der Geburt vermittelt dem Kind Geborgenheit und sorgt dafür, dass im Körper der Mutter vermehrt Hormone ausgeschüttet werden, die das Stillen unterstützen. Wenn das Baby auf dem Bauch der Mutter liegt, findet es von alleine die Brust, fängt an zu saugen und trinkt die erste Milch. Dafür braucht es Ruhe.

Neugeborenes auf dem Bauch der Mutter
Amelie-Benoist/BSIP - stock.adobe.com

Das Baby sucht aktiv die Brust

Gleich nach der Geburt ist es optimal, wenn das Baby ungestört auf dem Bauch der Mutter liegen kann. Das ist die Zeit für den ersten intensiven Hautkontakt und das Kennenlernen. In den ersten beiden Stunden ist das Neugeborene normalerweise wach und aufmerksam. Nach dem ersten Schreien liegt es ruhig und entspannt auf dem Bauch, macht allmählich kleine Bewegungen mit Kopf und Schultern und erste Mund- und Saugbewegungen. Dazwischen ruht es sich immer wieder aus.

Dann beginnt es, mit kleinen Krabbelbewegungen die Brustwarze zu suchen. Dieser sogenannte Breast Crawl ist ein Urinstinkt. „Breast Crawl“ kommt aus dem Englischen und bedeutet etwa „zur Brust kriechen“. Dabei geben viele Babys kleine Laute von sich. Wenn es die Brust erreicht hat, berührt und knetet das Baby sie und führt die Hand zwischen Brustwarze und Mund hin und her. Es streckt die Zunge heraus und sucht damit nach der Brustwarze. In dieser Phase reagiert es mit Blickkontakt auf die Stimmen und Aktivitäten von Mutter und Partner*in.

Wenn es nicht gestört wird, erreicht das Baby schließlich die Brust, dockt selbstständig an und beginnt zu saugen. Jedes Baby ist einzigartig und braucht dafür unterschiedlich lange – manchmal ist es schon nach einer halben Stunde so weit, andere brauchen bis zu etwa anderthalb Stunden. Wenn die Mutter bei der Geburt Medikamente, etwa starke Schmerzmittel oder eine PDA, erhalten hat, dauert es möglicherweise länger. Falls das Baby nicht alleine die Brust sucht, kann die Hebamme oder eine andere Fachkraft unterstützen.

Muss das Kind nach der Geburt nicht als erstes untersucht werden? Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Netzwerks Gesund ins Leben, erklärt:

„Die erste Untersuchung (U1)  eines reifen und gesunden Kindes nach der Geburt kann problemlos auf dem Bauch der Mutter durchgeführt werden. Klinikroutinen wie das Messen und Wiegen des Neugeborenen sollten möglichst auf die Zeit nach dem ersten Anlegen verschoben werden.“

Wertvoller Hautkontakt

Die Zeit unmittelbar nach der Geburt unterstützt die Eltern-Kind-Bindung (Fachbegriff: Bonding). Direkter Hautkontakt mit seinen engen Bezugspersonen gibt dem Kind Geborgenheit und Urvertrauen und wirkt beruhigend auf die Mutter. Durch den Hautkontakt werden in ihrem Körper vermehrt die Stillhormone Prolaktin und Oxytocin ausgeschüttet, die den Stillstart erleichtern. Wenn die Mutter nicht stillen möchte, ist ein guter Start mit Zeit zum Kuscheln und Geborgenheit beim Fläschchengeben genauso bedeutsam für das Kennenlernen. Der Hautkontakt hilft dem Kind, seine Körpertemperatur und Stoffwechsel-Faktoren wie den Blutzuckerspiegel optimal anzupassen.

Ob nach einer vaginalen Geburt oder nach einem Kaiserschnitt, einer Geburt in der Klinik, im Geburtshaus oder zu Hause: Oft lässt sich gut einrichten, dass Mutter und Kind diese wertvolle Zeit direkt nach der Geburt miteinander erleben können.

Manchmal ist der direkte Hautkontakt nach einer Geburt jedoch nicht möglich: Wenn die Geburt unter Vollnarkose stattgefunden hat, nach einer Frühgeburt oder bei einem anderen medizinischen Problem von Mutter oder Kind kann es sein, dass beide zunächst getrennt versorgt werden müssen. Das bedeutet aber nicht, dass diese Zeit nun verloren ist! Mutter und Kind können den ungestörten Hautkontakt so bald wie möglich nachholen und genießen.

Falls die Mutter noch medizinisch versorgt werden muss, kann eine Bezugsperson wie der Partner oder die Partnerin sich das nackte Kind auf Bauch und Brust legen, ihm Wärme und Geborgenheit vermitteln und sein Urvertrauen stärken. Auch können der Partner, die Partnerin oder andere nahestehende Menschen jederzeit durch direkten Hautkontakt mit dem Kind die Bindung weiter festigen.

Worauf Sie bei der Wahl der Geburtsklinik achten können

Wenn Sie eine Geburt in der Klinik planen, ist es sinnvoll, sich vorab zu erkundigen, ob ein guter und ungestörter Stillbeginn dort gefördert wird. Denn Mutter und Kind brauchen viel gemeinsame Zeit, um sich in den Stunden und Tagen nach der Geburt aufeinander einzuspielen. Wenn beide im gleichen Raum sind, kann das Baby immer, wenn es möchte, angelegt werden. Damit stellt sich die Milchbildung nach Bedarf leichter ein.

Diese Fragen können Ihnen bei Ihrer Entscheidung für eine Geburtsklinik helfen:

  • Können Mutter und Kind gleich nach der Geburt ungestörten Hautkontakt haben?
  • Ist das Baby im gleichen Zimmer wie die Mutter (24-Stunden-Rooming-in)?
  • Darf das Baby immer an die Brust, wenn es danach verlangt?
  • Wird die Mutter zum Stillen und zur Pflege gut informiert?
  • Wird das Baby nicht zusätzlich zum Stillen gefüttert (es sei denn, das ist medizinisch notwendig)?

 

Tipp: Die WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“

Über die WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“ können Sie über 100 Geburts-, Kinder-, und Perinatalkliniken in Deutschland finden, die verlässlich nach den Kriterien für ein „babyfreundliches Krankenhaus“ arbeiten und zertifiziert sind.

Vera Hesels, Geschäftsführerin der WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“:

„Ausgiebiges Bonding und ungestörter Stillbeginn gehören zu den ‚zehn Schritten zum erfolgreichen Stillen‘ von WHO und UNICEF. Bis das Baby zum ersten Mal an der Brust getrunken hat, ist ein ungestörter Hautkontakt nach der Geburt einfach wichtig. Diese kostbare Zeit sollte Müttern bitte immer ermöglicht werden. In den als „babyfreundlich“ zertifizierten Kliniken kommen die Mutter und ihr Neugeborenes sogar im Hautkontakt vom Kreißsaal zur Wochenstation.“

Die zehn Schritte von WHO und UNICEF

Zur Kliniksuche


Auch viele andere Kliniken ermöglichen den ungestörten Stillbeginn. Erkundigen Sie sich direkt bei den Kliniken in Ihrem Umfeld, wie Stillen und Bindung nach der Geburt gefördert werden.

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